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Hilfsmittel & Wohnen

Sturz im Alter: 20.800 Tote im Jahr, was der Bundestag plant und wann die Pflegekasse Sturzsensor und Hausnotruf zahlt

Stürze sind die häufigste nicht natürliche Todesursache in Deutschland: 20.800 Menschen starben 2023 nach einem Sturz, die meisten im hohen Alter. Bei Pflegebegutachtungen ist Physiotherapie zur Sturzprophylaxe die häufigste Heilmittelempfehlung, Gebrechlichkeit die zweithäufigste pflegebegründende Diagnose. Die Grünen fordern im Bundestag ein Sturzpräventionsprogramm ab 75 mit Wohnraumcheck und sensorgestützter Sturzprophylaxe; beschlossen ist das nicht. Was heute gilt: Ab Pflegegrad 1 zahlt die Pflegekasse 27 Euro im Monat für den Hausnotruf, seit September 2026 reicht dafür die Empfehlung der Pflegefachkraft, auch für Zubehör. Geräte mit automatischer Sturzerkennung zahlst du als Aufpreis selbst, meist 10 bis 25 Euro im Monat.

Sturz im Alter: Notrufarmband mit Sturzerkennung am Handgelenk

Der Sturz ist der Moment, in dem aus Alter Pflege wird. Er ist der häufigste Grund, warum die Hausnotruf-Zentrale einen Einsatz auslöst, der häufigste Anlass für Physiotherapie im Pflegegutachten und die häufigste nicht natürliche Todesursache in Deutschland. Diese Seite ordnet die Zahlen ein, erklärt, was die Politik plant und was davon schon gilt, und zeigt den praktischen Weg: von der Sturzvorbeugung über den Wohnraum bis zur Frage, wann die Pflegekasse Hausnotruf und Sturzsensor bezahlt.

Die Zahlen: 20.800 Tote, Hunderttausende Brüche

Nach der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts starben 2023 in Deutschland 20.800 Menschen an den Folgen eines Sturzes, mehr als zwei von fünf aller 49.400 nicht natürlichen Todesfälle. Die Sturztoten sind überwiegend hochaltrig; die Gruppe wächst, 2024 lebten 6,1 Millionen Menschen ab 80 Jahren in Deutschland, etwa die Hälfte von ihnen pflegebedürftig, und bis 2050 erwartet das Amt 8,5 bis 9,8 Millionen.

Der Medizinische Dienst zeigt im Report Pflegebedürftigkeit 2026 die andere Seite: Bei den Begutachtungen 2025 war die Demenz die führende pflegebegründende Diagnose, Senilität und Gebrechlichkeit (Frailty) die zweithäufigste. Gebrechlichkeit heißt Gewichtsverlust, langsames Gehen, wenig Muskelkraft und wenig Bewegung, und genau das macht Stürze wahrscheinlich. Die häufigste Heilmittelempfehlung der Gutachter war Physiotherapie mit 37,5 Prozent, ausdrücklich zur Verbesserung der Gehfähigkeit und zur Sturzprophylaxe; bei 43,6 Prozent der Erstbegutachtungen empfahlen sie mindestens ein Hilfsmittel, am häufigsten Gehhilfen sowie Bade- und Duschhilfen.

Was in keiner Statistik steht: Wer allein lebt, liegt nach einem Sturz oft stundenlang. Rund 2,1 Millionen Pflegebedürftige leben allein zu Hause, siehe alleinlebende Pflegebedürftige. Für sie entscheidet nicht der Sturz über die Folgen, sondern die Zeit bis zur Hilfe: Auskühlung, Druckgeschwüre, Nierenschäden durch Flüssigkeitsmangel und Lungenentzündung entstehen beim Liegen, nicht beim Fallen.

Was der Bundestag plant und was nicht

Die Grünen haben am 6. Oktober 2026 den Antrag „Nachhaltige Pflegereform“ (Drucksache 21/8398) eingebracht, der am 16. Oktober an den Gesundheitsausschuss überwiesen wurde. Er fordert ein „strukturiertes Frailty-, Mobilitäts- und Sturzpräventionsprogramm ab dem 75. Lebensjahr“, ausgelöst über ein jährliches Frailty-Assessment beim Hausarzt und als Regelleistung der Krankenkasse umgesetzt, „ergänzt um Wohnraumcheck, Medikationsreview, Hilfsmittelversorgung und Ernährungsberatung“; außerdem den Ausbau „sensorgestützter Pflegeassistenzsysteme und Sturzprophylaxe“. Das ist ein Oppositionsantrag ohne absehbare Mehrheit, aber er benennt, was Fachleute seit Jahren fordern.

Der Regierungsentwurf der Pflegereform enthält kein Sturzprogramm. Er bringt einen Check-up ab 60 und eine Pflegebegleitung, die zu Pflegehilfsmitteln beraten und beim Antrag helfen soll; beides kann Stürzen vorbeugen, wenn es genutzt wird. Schon in Kraft ist seit dem 1. September 2026 die Regel, dass Pflegefachkräfte Hausnotrufsysteme und ihr Zubehör empfehlen dürfen und die Kasse dann binnen drei Wochen entscheiden muss, siehe Hausnotruf ohne Rezept.

Sturzvorbeugung, die heute bezahlt wird

Maßnahme Wer zahlt Weg
Physiotherapie: Kraft, Gleichgewicht, Gangschulung Krankenkasse Rezept vom Hausarzt, Zuzahlung 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung (ab 2027: 15 Euro)
Rollator, Gehstock, Toilettensitzerhöhung Krankenkasse Rezept, Zuzahlung 5 bis 10 Euro (ab 2027: 7,50 bis 15 Euro), siehe Rollator auf Rezept
Haltegriffe, Duschsitz, bodengleiche Dusche, Beleuchtung, Schwellen entfernen Pflegekasse, bis 4.180 Euro je Maßnahme ab Pflegegrad 1 Antrag vor dem Umbau, siehe Badumbau-Zuschuss
Hausnotruf, Basistarif Pflegekasse, 27 Euro im Monat ab Pflegegrad 1 Antrag über den Anbieter, seit September 2026 mit Empfehlung der Pflegefachkraft
Sturzsensor, Notrufarmband, Notrufuhr selbst, Aufpreis meist 10 bis 25 Euro im Monat beim Hausnotruf-Anbieter zubuchen oder Uhr kaufen, siehe Notrufarmband
Medikamente prüfen (Schlaf- und Beruhigungsmittel, Blutdrucksenker, Entwässerung) Krankenkasse Medikationsplan ab drei Dauermedikamenten, Hausarzt oder Apotheke um Prüfung bitten
Pflegekurs für Angehörige (Transfer, Aufstehen nach Sturz, Wohnraum) Pflegekasse, kostenlos § 45 SGB XI, bei Pflegediensten, Kassen und Wohlfahrtsverbänden
Sehtest, Hörtest, feste Schuhe, Brille auf dem Nachttisch selbst bzw. Krankenkasse Augenarzt, Hörgeräteakustiker

Die wirksamste Einzelmaßnahme ist nach allen Leitlinien das Training von Kraft und Gleichgewicht, zwei- bis dreimal die Woche, über Monate. Die zweitwichtigste ist der Wohnraum: Teppichkanten, Kabel, fehlende Haltegriffe und dunkle Flure verursachen die meisten Stürze zu Hause. Der Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI ist der richtige Moment, beides anzusprechen; die Pflegefachkraft kann Hilfsmittel direkt empfehlen.

Sturzerkennung: Knopf, Sensor oder Uhr

Der Notrufknopf am Handgelenk oder als Kette ist Teil jedes Hausnotruf-Basistarifs. Er hilft nur, wenn die Person ihn drückt; nach einem Sturz mit Kopfverletzung, Bewusstlosigkeit oder im Schock passiert das oft nicht.

Der Sturzsensor löst den Alarm selbst aus, wenn Beschleunigung und Lage einen Sturz anzeigen. Er erkennt harte Stürze gut, langsames Absinken schlecht, und er meldet gelegentlich Fehlalarme; die Zentrale ruft dann zurück, bevor sie jemanden schickt. Sensoren gibt es als Zubehör zum Hausnotruf oder eingebaut in Notrufarmbänder und Notrufuhren mit eigener SIM-Karte, die auch unterwegs funktionieren. Zubehör für Hausnotrufsysteme steht seit September 2026 in der Liste der Produkte, die Pflegefachkräfte empfehlen dürfen; bezahlt wird vom Zuschuss trotzdem nur der Basistarif, den Aufpreis trägst du selbst.

Die Entscheidung hängt von drei Fragen ab: Lebt die Person allein? Ist sie schon gestürzt oder hat sie Schwindel, Herzrhythmusstörungen oder eine beginnende Demenz? Verlässt sie noch regelmäßig das Haus? Zweimal ja heißt Sturzerkennung, dreimal ja heißt mobiles Gerät mit GPS. Welche Geräte es gibt und was sie kosten, steht auf den Seiten Notrufarmband und mobiler Hausnotruf.

Anbieter mit Sturzerkennung

Beim klassischen Hausnotruf bieten die Anbieter Sturzsensoren als Zubehör oder im Komfortpaket an; was der Basistarif enthält und was Zubehör kostet, steht in den Boxen:

  • Logo pflegetipp.de

    pflegetipp.de

    Versandanbieter

    Basisstation mit eingebauter SIM-Karte, Zusatzoptionen Sturzsensor (12,90 €), Kombi-Notruf mit GPS oder Notrufuhr (je 24,90 € im Monat).

    • Preis: 32,13 € im Monat ohne Pflegegrad, mit Pflegegrad laut Anbieter 0 €
    • Geräte: Basisstation mit Mobilfunk, Notrufknopf als Armband oder Kette, wasserdicht, optional mobiles GPS-Gerät, optional Notrufuhr, optional Sturzsensor
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Kündigung: monatlich kündbar
    • Anschluss: Versand in 2 bis 3 Werktagen, selbst einstecken
    • Für wen geeignet: Wer einen Pflegegrad hat, kein Festnetz braucht und das Gerät selbst anschließen kann.
  • Logo SmartVersorgt

    SmartVersorgt

    Versandanbieter

    Notrufzentrale rund um die Uhr, übernimmt den Antrag bei der Pflegekasse; vom selben Unternehmen kommt die Pflegebox BluBox.

    • Preis: ab 28,50 € im Monat, mit Pflegegrad laut Anbieter in der Regel vollständig von der Pflegekasse übernommen
    • Geräte: stationäres Gerät, mobiles Gerät mit GPS
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Anschluss: SIM-Karte vorinstalliert, nach dem Einstecken einsatzbereit
    • Für wen geeignet: Wer Hausnotruf und Pflegebox aus einer Hand beantragen will.
  • Logo Gardia

    Gardia

    Notrufarmband

    Reines Armband ohne Basisstation, funktioniert zu Hause und unterwegs; Notrufzentrale von Bosch rund um die Uhr, App für Angehörige mit Standort und Akkustand.

    • Preis: Armband einmalig 199,95 € (im Angebot 99,95 €); Abo 17,95 € nur mit App, 32,90 € mit Notrufzentrale, mit Pflegegrad laut Anbieter ab 0 €
    • Anschluss: keine Anschlussgebühr, das Armband wird gekauft und nicht von der Kasse erstattet
    • Geräte: Notrufarmband mit Notruftaste, automatische Sturzerkennung, GPS-Ortung, eSIM mit mehreren Netzen, europaweit
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Kündigung: monatlich kündbar, erster Monat kostenlos, 30 Tage Rückgabe
    • Für wen geeignet: Wer ein einziges Gerät für drinnen und draußen möchte und den Kaufpreis des Armbands selbst tragen kann.
  • Johanniter

    Hilfsorganisation

    Ab dem Komfortpaket Schlüsselhinterlegung und eigener Einsatzdienst rund um die Uhr, im Premiumpaket wöchentliche Anrufe.

    • Preis: Basis ab 27 €, Komfort ab 55 €, Premium ab 85 € im Monat, regional abweichend
    • Geräte: Basisstation, Notrufknopf als Armband oder Kette
    • Einsatzdienst mit Schlüsselhinterlegung buchbar
    • Anschluss: Installation und Einweisung vor Ort
    • Für wen geeignet: Wer niemanden in der Nähe hat, der im Notfall mit Schlüssel kommen kann.
  • Malteser

    Hilfsorganisation

    Ab Komplettsicherheit Bereitschaftsdienst mit Schlüsselhinterlegung, im Plus-Paket Bewegungserkennung; Angehörigen-App.

    • Preis: Grundsicherheit 27,00 €, Komplettsicherheit 60,40 €, Komplettsicherheit Plus 64,90 € im Monat
    • Anschluss: laut Anbieter derzeit keine Anschlussgebühr (Aktion bis Oktober 2026)
    • Geräte: Hausnotrufgerät mit Lautsprecher, Notrufknopf als Armband oder Kette, optional Bewegungsmelder und Rauchmelder
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Einsatzdienst mit Schlüsselhinterlegung buchbar
    • Kündigung: ein Monat zum Monatsende
    • Für wen geeignet: Wer einen Bereitschaftsdienst vor Ort und eine kurze Kündigungsfrist will.
  • Libify

    Versandanbieter

    Drei Gerätelinien vom einfachen Notrufknopf bis zum mobilen Notruf mit automatischer Sturzerkennung.

    • Preis: Preise je Modell auf Anfrage, libifyBasic mit Pflegegrad laut Anbieter kostenlos
    • Geräte: libifyBasic: Basisstation mit Funksender, libifyHome: Sturzerkennung, App, libifyMobil 2.0: mobiler Notruf mit GPS und Sturzsensor
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Für wen geeignet: Wer viel unterwegs ist oder eine automatische Sturzerkennung möchte.

Diese Übersicht enthält Links zu Anbietern. Partnerlinks sind mit * gekennzeichnet und können oben stehen, die Reihenfolge ist keine Bewertung. Angaben laut Anbieterseiten, Stand 20.09.2026, ohne Gewähr.* Partnerlink: Schließt du über diesen Link etwas ab, erhalten wir vom Anbieter eine Vergütung. Für dich ändern sich weder Preis noch Leistung.

Notrufarmbänder und Uhren mit eingebauter Sturzerkennung, auch für unterwegs:

  • Logo Gardia

    Gardia

    Notrufarmband

    Ein Gerät für zu Hause und unterwegs, eSIM mit mehreren Netzen europaweit, App für Angehörige mit Standort, Akkustand und Chat.

    • Gerät: 199,95 € einmalig, im Angebot 99,95 €
    • Im Monat: 17,95 € nur mit App, 32,90 € mit Notrufzentrale, mit Pflegegrad laut Anbieter ab 0 €
    • Zentrale: Bosch-Notrufzentrale rund um die Uhr (ab Tarif NotfallPlus)
    • Automatische Sturzerkennung
    • GPS-Ortung für unterwegs
    • Pflegekasse: nur das Abo PflegePlus, der Kaufpreis des Armbands nicht; Einzelfallprüfung der Pflegekasse
    • Für wen geeignet: Wer kein Gerät in der Wohnung aufstellen will und auch draußen abgesichert sein möchte.
  • Logo pflegetipp.de

    pflegetipp.de

    Hausnotruf mit Notrufuhr

    Basisstation für zu Hause plus Notrufuhr mit GPS und Sturzerkennung als Zusatz, Antrag bei der Pflegekasse inklusive.

    • Gerät: kein Kauf, Gerät gehört zum Tarif
    • Im Monat: Basistarif 32,13 €, mit Pflegegrad laut Anbieter 0 €; Notrufuhr plus 24,90 € im Monat
    • Zentrale: Notrufzentrale rund um die Uhr, deutschsprachig, zertifiziert
    • Automatische Sturzerkennung
    • GPS-Ortung für unterwegs
    • Pflegekasse: Basistarif über die Pflegekasse, Aufpreis für die Uhr selbst
    • Für wen geeignet: Wer zu Hause die laute Basisstation behalten und für draußen eine Uhr dazunehmen will.
  • Libify

    Mobiler Notruf

    libifyMobil 2.0 als mobiler Notrufknopf mit GPS und Sturzsensor, daneben Basisgeräte für zu Hause.

    • Im Monat: auf Anfrage
    • Zentrale: Notrufzentrale rund um die Uhr
    • Automatische Sturzerkennung
    • GPS-Ortung für unterwegs
    • Pflegekasse: laut Anbieter je nach Modell ganz oder teilweise
    • Für wen geeignet: Wer einen Anhänger statt eines Armbands bevorzugt.

Diese Übersicht enthält Links zu Anbietern. Partnerlinks sind mit * gekennzeichnet und können oben stehen, die Reihenfolge ist keine Bewertung. Angaben laut Anbieterseiten, Stand 20.09.2026, ohne Gewähr.* Partnerlink: Schließt du über diesen Link etwas ab, erhalten wir vom Anbieter eine Vergütung. Für dich ändern sich weder Preis noch Leistung.

Nach dem Sturz: die ersten Wochen

Ein Sturz ohne Verletzung ist kein Grund zur Entwarnung, sondern das Signal für die Vorbeugung. Innerhalb der ersten Wochen sollten vier Dinge passieren: Der Hausarzt klärt die Ursache (Kreislauf, Medikamente, Sehen, Muskelkraft) und verordnet Physiotherapie; die Wohnung wird auf Stolperfallen geprüft, Haltegriffe und Nachtlicht kommen sofort, größere Umbauten werden bei der Pflegekasse beantragt; der Hausnotruf wird beantragt oder um Sturzerkennung ergänzt; und der Sturz wird mit Datum und Umständen im Pflegetagebuch notiert, weil er bei der Begutachtung das stärkste Argument für Hilfebedarf ist. Wer noch keinen Pflegegrad hat, stellt den Antrag jetzt: Pflegegrad 1 reicht für Hausnotruf und Umbauzuschuss, und die Einstufung wird 2027 schwerer.

Häufige Fragen