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Pflege organisieren

Pflegegrad 4 (früher Pflegestufe 3): Voraussetzungen, Geld und Leistungen

Pflegegrad 4 bekommt, wer bei der Begutachtung 70 bis unter 90 Punkte erreicht, also eine schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit hat. Die Pflegekasse zahlt dann 800 Euro Pflegegeld oder 1.859 Euro Pflegesachleistung im Monat, dazu 131 Euro Entlastungsbetrag, 42 Euro für Pflegehilfsmittel und 3.539 Euro im Jahr für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Im Pflegeheim übernimmt die Kasse 1.855 Euro monatlich plus einen Zuschlag auf den Eigenanteil.

Pflegegrad 4 von 5: Balkendiagramm mit hervorgehobener Stufe 4
Leistungen der Pflegeversicherung je Pflegegrad in Euro pro Monat (Stand 2025, Quelle: SGB XI)
LeistungGrad 1Grad 2Grad 3Grad 4Grad 5
Pflegegeld (§ 37)–347 €599 €800 €990 €
Pflegesachleistung (§ 36)–796 €1.497 €1.859 €2.299 €
Tagespflege (§ 41)–721 €1.357 €1.685 €2.085 €
Vollstationär (§ 43)131 €805 €1.319 €1.855 €2.096 €
Entlastungsbetrag (§ 45b)131 €131 €131 €131 €131 €
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40)42 €42 €42 €42 €42 €
Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, Jahresbetrag (§ 42a)–3.539 €3.539 €3.539 €3.539 €

Voraussetzungen: Punkte und typische Situationen

Pflegegrad 4 ist die zweithöchste Stufe. Das Gesetz spricht von einer „schwersten Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“ (§ 15 Abs. 3 SGB XI). Bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst müssen 70 bis unter 90 Gesamtpunkte zusammenkommen. Das ist ein weiter Weg: Die meisten Menschen mit Pflegegrad 4 sind in der Selbstversorgung fast vollständig unselbständig und haben zusätzlich in mindestens zwei weiteren Modulen hohe Werte.

Die Punkte kommen aus sechs Lebensbereichen, den Modulen:

Modul Was geprüft wird Gewicht Maximal
1 Mobilität Positionswechsel, Sitzen, Umsetzen, Gehen, Treppen 10 % 10
2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Orientierung, Erinnern, Entscheiden, Verstehen 15 %* 15
3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Unruhe, Aggression, Ängste, Abwehr der Pflege 15 %* 15
4 Selbstversorgung Waschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilette, Inkontinenz 40 % 40
5 Umgang mit Krankheit und Therapie Medikamente, Injektionen, Verbände, Arztbesuche 20 % 20
6 Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte Tagesablauf, Schlaf, Beschäftigung, Kontakte 15 % 15

*Von Modul 2 und 3 zählt nur das Modul mit dem höheren Wert.

Rechnerisch bedeutet das: Wer in der Selbstversorgung die vollen 40 Punkte hat, braucht aus den übrigen Modulen noch mindestens 30. Das ergibt sich zum Beispiel aus voller Mobilitätseinschränkung (10), hoher Krankheitsbewältigung (15) und mittleren Einschränkungen im Alltag (7,5). Wer die 40 Punkte nicht erreicht, weil er noch allein essen oder trinken kann, braucht entsprechend mehr aus Kognition oder Therapiebedarf.

Mit dem Pflegegrad-Rechner kannst du alle Module durchgehen und siehst, ob 70 Punkte erreichbar sind und wo im Gutachten möglicherweise Punkte fehlen.

Drei Beispiele, wie Pflegegrad 4 entsteht

Die Personen in diesem Beispiel sind erfunden, die Beträge und Regeln sind echt (Stand 2025/2026).

Frau H., 88, nach Oberschenkelhalsbruch und Herzinsuffizienz. Sie ist weitgehend bettlägerig, kann sich nicht allein drehen, sitzt nur mit Stütze, Umsetzen in den Rollstuhl nur mit zwei Personen oder Lifter (Modul 1: 14 Einzelpunkte, gewichtet 10). Geistig klar, gelegentlich vergesslich (Modul 2: gewichtet 3,75). Waschen, Anziehen, Toilettengang komplett übernommen, Inkontinenzversorgung, Essen muss angereicht werden, Trinken mit Hilfe (Modul 4: 40 Einzelpunkte, gewichtet 40). Medikamente dreimal täglich, tägliche Kompressionsstrümpfe, wöchentliche Wundversorgung am Steißbein, alle zwei Wochen Arztbesuch (Modul 5: gewichtet 15). Den Tag kann sie nicht mehr gestalten, Kontakte nur, wenn Besuch kommt (Modul 6: gewichtet 7,5). Ergebnis: 76,25 Punkte, Pflegegrad 4.

Herr D., 81, fortgeschrittene Alzheimer-Demenz. Körperlich läuft er noch, aber unsicher, und findet nicht mehr allein aus dem Bett (Modul 1: gewichtet 5). Er erkennt seine Frau nur noch manchmal, weiß nicht, wo er ist, versteht Aufforderungen kaum, kann keine Bedürfnisse mitteilen (Modul 2: 30 Einzelpunkte, gewichtet 15). Er läuft nachts umher, wehrt die Körperpflege heftig ab, hat Angstzustände (Modul 3: 27 Einzelpunkte, gewichtet 15, zählt nicht, weil gleich hoch wie Modul 2). Beim Waschen, Anziehen, Essen und Toilettengang muss alles übernommen oder Schritt für Schritt angeleitet werden, er ist inkontinent (Modul 4: 36 Einzelpunkte, gewichtet 30). Medikamente täglich, Diät wegen Schluckstörung (Modul 5: gewichtet 10). Modul 6: 16 Einzelpunkte, gewichtet 15. Ergebnis: 75 Punkte, Pflegegrad 4.

Frau L., 58, Multiple Sklerose im fortgeschrittenen Stadium. Sie sitzt im Rollstuhl, kann sich nicht allein umsetzen und im Bett nicht drehen (Modul 1: gewichtet 10). Kognitiv unauffällig, aber depressive Phasen (Modul 2: gewichtet 0, Modul 3: gewichtet 3,75, zählt). Hände sind kraftlos: Waschen, Anziehen, Zubereiten, Toilettengang und Katheterversorgung vollständig übernommen, Essen nur mit Anreichen (Modul 4: 38 Einzelpunkte, gewichtet 40). Tägliche Injektionen, Blasenkatheter-Versorgung, Physiotherapie dreimal wöchentlich, monatliche Infusionen in der Klinik (Modul 5: gewichtet 20). Den Alltag plant sie selbst, braucht aber Hilfe bei der Umsetzung (Modul 6: gewichtet 7,5). Ergebnis: 81,25 Punkte, Pflegegrad 4.

Alle drei zeigen das Muster: Modul 4 fast am Maximum, dazu zwei weitere Module mit hohen Werten. Frau L. ist mit 81,25 Punkten am weitesten von der Grenze zu Pflegegrad 3 entfernt, aber noch klar unter den 90 Punkten für Pflegegrad 5.

Diese Leistungen stehen dir zu

Die Tabelle über diesem Text zeigt alle Beträge im Vergleich der fünf Pflegegrade. Hier steht, was die Leistungen bei Pflegegrad 4 konkret bedeuten. Alle Beträge gelten seit dem 1. Januar 2025, der gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege seit dem 1. Juli 2025.

Pflegegeld: 800 Euro im Monat (§ 37 SGB XI)

Wer zu Hause von Angehörigen gepflegt wird, erhält 800 Euro Pflegegeld monatlich. Das Geld geht an die pflegebedürftige Person und darf frei verwendet werden, in der Regel als Anerkennung für die Pflegeperson. Es ist steuerfrei und wird bei der Pflegeperson nicht als Einkommen gewertet.

Bei Pflegegrad 4 verlangt die Kasse vierteljährlich einen Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI, also viermal im Jahr. Der Besuch ist kostenlos und dient auch dazu, Hilfsmittel und Entlastung zu besprechen. Wird er versäumt, kann die Kasse das Pflegegeld kürzen oder einstellen.

Mehr zu Auszahlung, Steuer und Weitergabe: Pflegegeld bei Pflegegrad 4 und der Pflegegeld-Hub.

Pflegesachleistung: 1.859 Euro im Monat (§ 36 SGB XI)

Ein ambulanter Pflegedienst rechnet bis zu 1.859 Euro monatlich direkt mit der Kasse ab. Bei Pflegegrad 4 reicht das je nach Region für ein bis zwei Einsätze täglich mit großer Körperpflege, Lagerung und Inkontinenzversorgung. Behandlungspflege wie Injektionen, Verbandswechsel oder Katheterwechsel läuft über die Krankenkasse (§ 37 SGB V) und belastet dieses Budget nicht, muss aber vom Arzt verordnet werden.

Praktischer Hinweis: Bei Pflegegrad 4 sind oft zwei Personen für das Umsetzen nötig. Frag den Pflegedienst, ob er Doppeleinsätze anbietet, und prüfe, ob ein Patientenlifter (Hilfsmittel, kostenlos) den Einsatz für eine Person möglich macht.

Kombinationsleistung: Pflegegeld plus Pflegedienst (§ 38 SGB XI)

Nutzt der Pflegedienst nur einen Teil der 1.859 Euro, bekommst du den nicht genutzten Prozentsatz als Pflegegeld. Beispiel: Der Dienst rechnet 1.115,40 Euro ab, das sind 60 Prozent. Du erhältst 40 Prozent von 800 Euro, also 320 Euro Pflegegeld. Der Pflegegeld-Rechner rechnet jede Aufteilung aus.

Entlastungsbetrag: 131 Euro im Monat (§ 45b SGB XI)

Zusätzlich zu allen anderen Leistungen, gegen Rechnung. Verwendbar für Tagespflege-Eigenanteile, anerkannte Haushaltshilfen, Betreuungsdienste oder Kurzzeitpflege-Zuzahlungen. Nicht genutzte Beträge sammeln sich bis zum 30. Juni des Folgejahres an. Bei Pflegegrad 4 wird der Entlastungsbetrag häufig für den Eigenanteil an Verpflegung in der Tagespflege oder für stundenweise Betreuung eingesetzt, damit die Pflegeperson Termine wahrnehmen kann. Details: Entlastungsbetrag richtig verwenden.

Tages- und Nachtpflege: 1.685 Euro im Monat (§ 41 SGB XI)

Ein eigenes Budget, das nicht mit Pflegegeld oder Sachleistung verrechnet wird. Bei Pflegegrad 4 nehmen Tagespflegeeinrichtungen nicht jeden auf, weil der Pflegeaufwand hoch ist; frag gezielt nach Plätzen für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Demenz. Verpflegung und Investitionskosten (15 bis 25 Euro pro Tag) trägst du selbst oder aus dem Entlastungsbetrag. Mehr: Tagespflege: Kosten und Ablauf.

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: 3.539 Euro im Jahr (§ 42a SGB XI)

Seit dem 1. Juli 2025 gibt es einen gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 Euro, frei aufteilbar zwischen Verhinderungspflege (Ersatzpflege zu Hause) und Kurzzeitpflege (vorübergehend stationär), jeweils bis zu acht Wochen im Jahr. Bei Pflegegrad 4 ist die Kurzzeitpflege nach einem Krankenhausaufenthalt der häufigste Anwendungsfall, weil die Rückkehr nach Hause oft erst nach Umbauten oder Hilfsmittelversorgung möglich ist.

Springt ein naher Angehöriger oder ein Haushaltsmitglied als Ersatzpflege ein, erstattet die Kasse seit dem 1. Juli 2025 höchstens das Zweifache des Pflegegelds, bei Pflegegrad 4 also 1.600 Euro (§ 42a Abs. 2 SGB XI), plus nachgewiesene Aufwendungen wie Fahrtkosten oder Verdienstausfall. Bei stundenweiser Verhinderungspflege unter acht Stunden am Tag läuft das Pflegegeld ungekürzt weiter. Alle Regeln: Verhinderungspflege.

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: 42 Euro im Monat (§ 40 Abs. 2 SGB XI)

Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel, Schutzschürzen, Mundschutz. Bei Pflegegrad 4 wird das Budget fast immer ausgeschöpft, weil Inkontinenzversorgung und Lagerung viel Material brauchen. Bequem als Pflegebox mit Abrechnung direkt über die Kasse. Nur bei Pflege zu Hause.

Technische Pflegehilfsmittel (§ 40 Abs. 1 und 3 SGB XI)

Bei Pflegegrad 4 fast immer bewilligt: Pflegebett mit Aufrichthilfe, Antidekubitus-Matratze, Patientenlifter, Toilettenstuhl, Duschrollstuhl, Lagerungskissen. Die Kasse stellt sie leihweise, ein formloser Antrag reicht, der Beratungsbesuch ist eine gute Gelegenheit dafür. Für den Hausnotruf zahlt die Kasse 27 Euro monatlich.

Inkontinenzmaterial (Vorlagen, Windelhosen) läuft dagegen über die Krankenkasse mit ärztlicher Verordnung, nicht über die 42 Euro.

Wohnumfeldverbesserung: bis 4.180 Euro je Maßnahme (§ 40 Abs. 4 SGB XI)

Für Umbauten, die Pflege zu Hause ermöglichen: bodengleiche Dusche, Türverbreiterung für den Rollstuhl, Rampe, Treppenlift, Verlegung des Schlafzimmers ins Erdgeschoss. Bei Pflegegrad 4 wird der Zuschuss selten verweigert, weil die Notwendigkeit offensichtlich ist. Antrag mit Kostenvoranschlag vor Baubeginn stellen. Leben mehrere Pflegebedürftige im Haushalt, sind bis zu 16.720 Euro möglich.

Vollstationäre Pflege: 1.855 Euro im Monat plus Leistungszuschlag (§ 43 und § 43c SGB XI)

Im Pflegeheim zahlt die Kasse 1.855 Euro an das Heim. Auf den verbleibenden Pflegekosten-Eigenanteil gibt es einen Zuschlag nach Aufenthaltsdauer: 15 Prozent im ersten Jahr, 30 im zweiten, 50 im dritten und 75 Prozent ab dem vierten Jahr. Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und Ausbildungsumlage trägst du selbst. Zahlen für dein Bundesland: Pflegeheim-Kosten bei Pflegegrad 4.

Weitere Leistungen, die oft vergessen werden

  • Rentenbeiträge für die Pflegeperson (§ 44 SGB XI): Ab zehn Stunden Pflege pro Woche an mindestens zwei Tagen, bei höchstens 30 Stunden Erwerbstätigkeit. Bei Pflegegrad 4 und reinem Pflegegeld zahlt die Kasse bis zu 514,94 Euro Rentenbeitrag im Monat, bei Kombinationsleistung 437,70 Euro (BMG, Stand 1. Januar 2026). Das ergibt rund 0,66 Rentenpunkte pro Jahr, also etwa 27 Euro mehr Monatsrente je Pflegejahr (Näherung).
  • Arbeitslosenversicherung für die Pflegeperson, wenn sie vor der Pflege versicherungspflichtig war.
  • Pflegezeit und Familienpflegezeit: bis zu sechs Monate Freistellung und bis zu 24 Monate Teilzeit mit zinslosem Darlehen.
  • Pflegeunterstützungsgeld: bis zu zehn Arbeitstage im Jahr bei akuter Pflegesituation, rund 90 Prozent des Nettoentgelts.
  • Wohngruppenzuschlag 224 Euro monatlich in ambulant betreuten Wohngemeinschaften (§ 38a SGB XI).
  • Digitale Pflegeanwendungen bis 40 Euro monatlich plus bis 30 Euro für ergänzende Unterstützungsleistungen (§ 40b SGB XI).
  • Pflegekurse (§ 45 SGB XI): kostenlos, auch als Einzelschulung zu Hause, zum Beispiel zu Lagerung und Transfer.

Beispielrechnung

Die Personen in diesem Beispiel sind erfunden, die Beträge und Regeln sind echt (Stand 2025/2026).

Familie R. pflegt die Mutter (Pflegegrad 4, nach Schlaganfall, halbseitig gelähmt, inkontinent) zu Hause. Der Sohn hat auf 25 Stunden reduziert, die Schwiegertochter übernimmt die Nächte. So sieht ein Monat aus:

Leistung Betrag Wer zahlt
Pflegedienst morgens und abends, 60 Einsätze, große Körperpflege plus Lagerung, zusammen 1.115 Euro 1.115 Euro Pflegekasse (Sachleistung, 60 % von 1.859 Euro)
Pflegegeld anteilig (40 % von 800 Euro) 320 Euro Pflegekasse an die Mutter
Tagespflege, 3 Tage pro Woche, 13 Tage à 110 Euro Pflege und Betreuung 1.430 Euro Pflegekasse (Tagespflege-Budget, Rest von 1.685 Euro verfällt)
Tagespflege Verpflegung und Investitionskosten, 13 Tage à 20 Euro 260 Euro 131 Euro Entlastungsbetrag plus 129 Euro aus dem angesparten Vorjahresbetrag
Pflegebox (Handschuhe, Bettschutz, Desinfektion, Schürzen) 42 Euro Pflegekasse
Inkontinenzmaterial rund 60 Euro Krankenkasse mit Verordnung, Zuzahlung 10 Euro
Pflegebett, Antidekubitus-Matratze, Lifter, Toilettenstuhl leihweise Pflegekasse
Hausnotruf Basisleistung 27 Euro, Gesamtpreis 29 Euro 2,00 Euro Eigenanteil
Rentenbeiträge für die Schwiegertochter (Kombinationsleistung) rund 438 Euro Pflegekasse an die Rentenversicherung

Die Familie erhält Leistungen im Gegenwert von rund 3.400 Euro im Monat und zahlt selbst etwa 15 Euro. Die 320 Euro Pflegegeld gehen an die Schwiegertochter. Im ersten Jahr wurden außerdem 4.180 Euro für die bodengleiche Dusche bewilligt, und die Kurzzeitpflege nach dem Krankenhaus (drei Wochen, rund 2.400 Euro Pflegekosten) lief über das Jahresbudget von 3.539 Euro. Von diesem Budget sind noch 1.139 Euro übrig, mit denen die Schwiegertochter im Herbst eine Woche Verhinderungspflege durch den Pflegedienst finanziert.

Hätte die Familie die Tagespflege nicht genutzt, wären bis zu 1.685 Euro monatlich einfach verfallen. Der Pflegegeld-Rechner zeigt dir für deinen Fall, welche Aufteilung zwischen Pflegegeld und Pflegedienst am meisten bringt.

Hinweis: Bei Pflegegrad 4 sind die Nächte die größte Belastung für pflegende Angehörige. Wer früh einen Nachtdienst, eine Nachtpflege-Einrichtung oder wenigstens ein Pflegebett mit Aufrichthilfe organisiert, kann die häusliche Pflege länger aufrechterhalten.

Pflegestufe 3 und Pflegegrad 4: die Überleitung

Bis Ende 2016 gab es drei Pflegestufen nach Pflegeminuten. Zum 1. Januar 2017 wurden alle Betroffenen automatisch übergeleitet (§ 140 SGB XI), ohne neue Begutachtung und mit Bestandsschutz:

Vorher Seit 2017
Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz) Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 5
Härtefall Pflegegrad 5

Wer heute nach „Pflegestufe 4“ sucht, meint meist Pflegegrad 4, eine Pflegestufe 4 gab es nie. Die alte Pflegestufe 3 ist heute Pflegegrad 4. Pflegestufe 3 verlangte damals mindestens 300 Minuten Hilfebedarf täglich, davon 240 Minuten Grundpflege, und Hilfe auch nachts. Diese Minuten spielen heute keine Rolle mehr; wer im Widerspruch mit Zeittabellen argumentiert, hat keinen Erfolg. Es zählen ausschließlich die Module und Punkte.

Pflege zu Hause oder im Heim?

Pflegegrad 4 ist die Stufe, auf der die Frage nach dem Heim am häufigsten gestellt wird. Die Entscheidung hängt von drei Dingen ab: Wer übernimmt die Nächte, ist die Wohnung barrierefrei, und wie belastbar sind die Angehörigen.

Zu Hause mit Angehörigen und Pflegedienst bringt bis zu 800 Euro Pflegegeld oder 1.859 Euro Sachleistung, dazu Tagespflege, Entlastungsbetrag und Hilfsmittel. Der Eigenanteil bleibt gering, die Belastung ist hoch, vor allem nachts.

Zu Hause mit 24-Stunden-Betreuung. Eine Betreuungskraft, meist aus Osteuropa, lebt im Haushalt und übernimmt Grundpflege, Haushalt und Anwesenheit in der Nacht. Kosten je nach Modell 2.500 bis 4.000 Euro im Monat. Gegenfinanziert werden 800 Euro Pflegegeld und 131 Euro Entlastungsbetrag, oft zusätzlich ein Pflegedienst für die Behandlungspflege. Netto bleiben meist 1.500 bis 3.000 Euro Eigenanteil, also ähnlich viel wie im Heim, aber in der eigenen Wohnung. Worauf du bei Vermittlern achten musst: 24-Stunden-Betreuung.

Im Pflegeheim zahlt die Kasse 1.855 Euro plus Leistungszuschlag. Weil der Pflegekosten-Eigenanteil im Heim für Pflegegrad 2 bis 5 gleich hoch ist, zahlst du bei Pflegegrad 4 nicht mehr als jemand mit Pflegegrad 2 im selben Heim. Der Eigenanteil liegt im ersten Jahr je nach Bundesland zwischen rund 2.900 und 3.800 Euro (Bundesdurchschnitt 3.364 Euro, vdek, Stand 1. Juli 2026) und sinkt durch den Zuschlag bis zum vierten Jahr auf durchschnittlich 2.111 Euro. Wie groß die Lücke zwischen Rente und Heimrechnung wäre, zeigt der Pflegeheim-Kosten-Rechner für dein Bundesland und mit dem Preisblatt des Heims exakt. Alles zu Eigenanteil, Schonvermögen und Elternunterhalt: Pflegeheim-Kosten.

Ein Zwischenweg ist die Kurzzeitpflege aus dem Jahresbudget von 3.539 Euro, um in Ruhe zu entscheiden, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt.

Pflegegrad beantragen, Höherstufung und Widerspruch

Erstantrag: Ein Anruf bei der Pflegekasse reicht, sie schickt das Formular. Leistungen gelten rückwirkend ab dem Antragstag. Die Kasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden; liegt die Person im Krankenhaus oder ist eine Pflegezeit angekündigt, gilt eine verkürzte Frist. Schritt für Schritt: Pflegegrad beantragen.

Begutachtung: Der Medizinische Dienst kommt nach Hause, bei Krankenhausaufenthalt in die Klinik. Führe vorher ein Pflegetagebuch, lege Arztbriefe, Medikamentenplan und Hilfsmittelliste bereit und sorge dafür, dass die Hauptpflegeperson dabei ist. Bei Pflegegrad 4 sind Nächte und Transfers die entscheidenden Themen: Beschreibe, wie oft nachts Hilfe nötig ist und wie viele Personen zum Umsetzen gebraucht werden.

Höherstufung: Verschlechtert sich der Zustand, stellst du einen Antrag auf Höherstufung auf Pflegegrad 5. Dafür sind 90 Punkte oder eine besondere Bedarfskonstellation nötig. Typische Auslöser: vollständige Bettlägerigkeit, Sondenernährung, Verlust jeder Kommunikation.

Widerspruch: Wurde nur Pflegegrad 3 bewilligt, obwohl du Pflegegrad 4 erwartet hast, hast du einen Monat ab Zugang des Bescheids Zeit. Fordere das vollständige Gutachten an und prüfe jedes Modul, besonders Modul 4 (Selbstversorgung) und Modul 5 (Krankheitsbewältigung), wo bei Pflegegrad 4 meistens die Punkte fehlen. Vorlage und Ablauf: Widerspruch gegen den Pflegegrad.

Häufige Fehler und Grenzfälle

Knapp unter 70 Punkten. Bei 65 bis 69 Punkten bleibt es bei Pflegegrad 3 und die Familie verliert monatlich 201 Euro Pflegegeld oder 362 Euro Sachleistung. Prüfe im Gutachten: Wurde Essen mit 9 statt 3 Punkten bewertet, wenn angereicht werden muss? Wurde die Inkontinenzversorgung (Modul 4.11 und 4.12) erfasst? Wurden in Modul 5 alle Maßnahmen gezählt, auch Kompressionsstrümpfe, Blutzuckermessung und jede einzelne Medikamentengabe?

Modul 5 wird unterschätzt. Bei Pflegegrad 4 sind oft viele Maßnahmen täglich nötig. Wer beim Gutachten nur „Medikamente“ sagt, bekommt weniger Punkte als wer aufzählt: Tabletten dreimal täglich, Augentropfen zweimal, Insulin zweimal, Blutzucker viermal, Kompressionsstrümpfe an und aus. Der Medikamentenplan gehört auf den Tisch.

Beratungsbesuch vergessen. Bei Pflegegrad 4 vierteljährlich. Die Kasse mahnt einmal, dann kürzt sie das Pflegegeld.

Zwei Personen für den Transfer, aber kein Lifter beantragt. Ein Patientenlifter ist ein Hilfsmittel, das die Kasse leihweise stellt. Er macht aus Doppeleinsätzen Einzeleinsätze und schont den Rücken der Pflegeperson.

Kurzzeitpflege nach dem Krankenhaus nicht geplant. Wer aus der Klinik direkt nach Hause geht, ohne dass Pflegebett und Pflegedienst organisiert sind, landet oft binnen Tagen wieder im Krankenhaus. Der Sozialdienst der Klinik hilft, aber nur, wenn du frühzeitig fragst.

24-Stunden-Betreuung mit Behandlungspflege. Betreuungskräfte dürfen keine Injektionen, Verbandswechsel oder Katheterpflege übernehmen. Dafür braucht es weiterhin einen Pflegedienst über die Krankenkasse.

Das solltest du jetzt tun

  1. Punkte prüfen: Gehe alle sechs Module im Pflegegrad-Rechner durch und sieh, ob Pflegegrad 4 erreicht ist oder ob eine Höherstufung auf Pflegegrad 5 ansteht.
  2. Leistungen ausrechnen: Mit dem Pflegegeld-Rechner findest du die beste Aufteilung zwischen Pflegegeld und Pflegedienst; die Heimkosten kannst du daneben legen.
  3. Begutachtung oder Widerspruch vorbereiten: Lade das Pflegetagebuch herunter und dokumentiere zwei Wochen lang jede Hilfe, auch nachts.

Weitere Pflegegrade im Vergleich: Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 5.

Häufige Fragen