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Hilfsmittel & Wohnen

Notfallreform beschlossen: Was sich beim Hausnotruf ändert, wenn 112 und 116117 zusammenwachsen

Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 die Notfallreform beschlossen: Die 116117 wird in Terminservice und eine Akutleitstelle rund um die Uhr geteilt, Akutleitstelle und Rettungsleitstelle 112 werden digital vernetzt, der Rettungsdienst darf künftig vor Ort behandeln, ohne ins Krankenhaus zu fahren, und wird Kassenleistung. Hausnotruf-Dienste regelt das Gesetz nicht; die Zentrale alarmiert weiter nach ihrer Kette aus Angehörigen, Einsatzdienst und 112. Neu ist der dritte Weg: Nicht lebensbedrohliche Hilferufe, etwa ein Sturz ohne Verletzung, können künftig an die Akutleitstelle gehen, und der Rettungswagen muss nicht automatisch transportieren. Der Bundesrat berät voraussichtlich am 20. November 2026, die Umsetzung läuft ab 2027 regional. Dasselbe Gesetz enthält den 3-Prozent-Abschlag auf Hilfsmittel ab 2027.

Notfallreform und Hausnotruf: mobiles Notrufgerät mit Verbindung zu Leitstelle und Rettungsdienst

Der Hausnotruf hat ein Versprechen: Wer den Knopf drückt, bekommt Hilfe. Wie diese Hilfe organisiert wird, ändert die Notfallreform, die der Bundestag am 15. Oktober 2026 beschlossen hat. Die Nummern 112 und 116117 wachsen zusammen, der Rettungsdienst darf vor Ort behandeln statt nur zu transportieren, und an Krankenhäusern entstehen Integrierte Notfallzentren. Den Hausnotruf selbst erwähnt das Gesetz nicht. Was es trotzdem für Nutzer und Angehörige bedeutet, erklärt diese Seite, ohne mehr zu versprechen als das Gesetz hergibt.

Was der Bundestag beschlossen hat

Angenommen wurde der Regierungsentwurf in der Fassung des Gesundheitsausschusses mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Grünen; AfD und Linke enthielten sich. Die Kernpunkte:

Baustein Was sich ändert Bedeutung für den Notruf aus der Wohnung
Integrierte Notfallzentren (INZ) Notaufnahme, Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung und Ersteinschätzungsstelle an einem Ort, bundesweit an Krankenhausstandorten Wer nach einem Hausnotruf ins Krankenhaus kommt, wird dort zuerst eingeschätzt und landet nicht automatisch in der Notaufnahme
Akutleitstelle 116117 Die 116117 wird in Terminservicestelle und Akutleitstelle geteilt; die Akutleitstelle hilft rund um die Uhr telefonisch, per Video und bei Bedarf aufsuchend Dritter Weg neben Angehörigen und 112 für Lagen ohne Lebensgefahr
Gesundheitsleitsysteme Akutleitstelle und Rettungsleitstelle 112 werden digital vernetzt, Hilfeersuchen ohne Medienbruch weitergereicht, auch an notfallpflegerische, palliative und sozialpsychiatrische Dienste Ein Anruf landet eher bei der passenden Stelle, egal welche Nummer gewählt wurde
Rettungsdienst als Kassenleistung Notfallrettung wird Sachleistung der Krankenkasse; Versorgung vor Ort zählt als Behandlung, auch ohne Transport Nach einem Sturz ohne Verletzung kann das Team helfen und bleiben lassen, ohne Fahrt in die Klinik
Förderung 225 Millionen Euro von 2027 bis 2031 für die Digitalisierung von Rettungsdienst und Leitstellen Umsetzung dauert Jahre und ist regional unterschiedlich
Abschlag auf Hilfsmittel § 127 Abs. 1b SGB V: 3 Prozent weniger auf jede Hilfsmittel-Rechnung 2027 und 2028, laut Begründung auch für Pflegehilfsmittel Trifft Hausnotruf-Anbieter, nicht den Zuschuss, siehe Hausnotruf-Abschlag

Wie der Hausnotruf heute alarmiert

Die Notrufzentrale des Anbieters ist rund um die Uhr besetzt; das ist Teil der Basisleistung, die die Pflegekasse mit 27 Euro im Monat bezahlt. Drückst du den Knopf, meldet sich die Zentrale über die Freisprechanlage, fragt nach und entscheidet dann entlang einer Kette, die du beim Anschluss festlegst:

  1. Angehörige oder Nachbarn mit Schlüssel, wenn Hilfe beim Aufstehen oder Beruhigung reicht.
  2. Einsatzdienst des Anbieters, wenn gebucht: Mitarbeiter mit hinterlegtem Schlüssel kommen in die Wohnung, meist in 20 bis 45 Minuten.
  3. Rettungsdienst über die 112, wenn Lebensgefahr besteht oder niemand antwortet.

Für den häufigsten Fall, den Sturz ohne sichtbare Verletzung, war bisher die Wahl zwischen Angehörigen, Einsatzdienst oder einem Rettungswagen, der oft in die Notaufnahme fuhr, weil er vor Ort nichts abrechnen konnte. Genau hier setzt die Reform an.

Was sich für Hausnotruf-Nutzer ändern kann

Ein dritter Weg für Lagen ohne Lebensgefahr. Die Akutleitstelle soll rund um die Uhr erreichbar sein und telefonisch, per Video oder aufsuchend helfen. Eine Hausnotruf-Zentrale könnte Schwächeanfälle, Verwirrtheit oder einen Sturz ohne Verletzung künftig dorthin übergeben statt an die 112. Ob sie das tut, regelt das Gesetz nicht; es hängt davon ab, wie die Leitstellen in deiner Region aufgebaut werden und welche Absprachen der Anbieter trifft.

Der Rettungswagen muss nicht transportieren. Bisher endete ein Einsatz häufig in der Notaufnahme, weil nur der Transport vergütet war. Künftig ist die Versorgung vor Ort Teil der Krankenbehandlung. Für alleinlebende Pflegebedürftige, bei denen der Krankenhausaufenthalt selbst ein Risiko ist (Verwirrtheit, Stürze, Infekte), ist das die wichtigste Änderung.

Die Zentrale bleibt der Filter. Keine Reform ersetzt die Frage, wer in die Wohnung kommt. Angehörige in der Nähe, Nachbarn mit Schlüssel oder ein Einsatzdienst sind weiter die erste Stufe; welche Anbieter einen eigenen Einsatzdienst haben, steht im Anbieter-Vergleich. Was die Zentrale über die Person wissen muss, erklärt die Seite Hausnotruf für Angehörige; ein ausgefülltes Notfallblatt an der Wohnungstür hilft jedem, der kommt.

Notfallpflegerische Dienste. Das Gesetz nennt ausdrücklich, dass Gesundheitsleitsysteme Hilfeersuchen an notfallpflegerische und notfallpalliative Dienste vermitteln sollen. Für Pflegehaushalte ist das neu: Ein Pflegeproblem in der Nacht, etwa ein verrutschter Katheter oder eine versorgte Wunde, die blutet, braucht keinen Notarzt, sondern eine Pflegefachkraft. Welche Dienste das sein werden, ist noch offen.

Zeitplan und offene Punkte

Schritt Datum Stand
Kabinettsbeschluss Notfallreform 2026 (Regierungsentwurf Drs. 21/6808) erledigt
Bundestag, zweite und dritte Lesung 15. Oktober 2026 beschlossen
Bundesrat, zweiter Durchgang voraussichtlich 20. November 2026 Einspruchsgesetz, Tagesordnung noch nicht veröffentlicht
Abschlag auf Hilfsmittel 1. Januar 2027 bis 31. Dezember 2028 im Gesetz
Digitalisierungsförderung Leitstellen 2027 bis 2031 im Gesetz
Aufbau von Akutleitstellen und Notfallzentren regional, schrittweise offen

Wir tragen das Ergebnis des Bundesrats und die ersten Umsetzungsschritte der Länder hier nach.

Anbieter mit eigenem Einsatzdienst

Ob nach dem Knopfdruck ein Mitarbeiter mit Schlüssel kommt oder nur Angehörige und Rettungsdienst alarmiert werden, ist heute der größte Unterschied zwischen den Anbietern:

  • Logo pflegetipp.de

    pflegetipp.de

    Versandanbieter

    Basisstation mit eingebauter SIM-Karte, Zusatzoptionen Sturzsensor (12,90 €), Kombi-Notruf mit GPS oder Notrufuhr (je 24,90 € im Monat).

    • Preis: 32,13 € im Monat ohne Pflegegrad, mit Pflegegrad laut Anbieter 0 €
    • Geräte: Basisstation mit Mobilfunk, Notrufknopf als Armband oder Kette, wasserdicht, optional mobiles GPS-Gerät, optional Notrufuhr, optional Sturzsensor
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Kündigung: monatlich kündbar
    • Anschluss: Versand in 2 bis 3 Werktagen, selbst einstecken
    • Für wen geeignet: Wer einen Pflegegrad hat, kein Festnetz braucht und das Gerät selbst anschließen kann.
  • Logo SmartVersorgt

    SmartVersorgt

    Versandanbieter

    Notrufzentrale rund um die Uhr, übernimmt den Antrag bei der Pflegekasse; vom selben Unternehmen kommt die Pflegebox BluBox.

    • Preis: ab 28,50 € im Monat, mit Pflegegrad laut Anbieter in der Regel vollständig von der Pflegekasse übernommen
    • Geräte: stationäres Gerät, mobiles Gerät mit GPS
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Anschluss: SIM-Karte vorinstalliert, nach dem Einstecken einsatzbereit
    • Für wen geeignet: Wer Hausnotruf und Pflegebox aus einer Hand beantragen will.
  • Logo Gardia

    Gardia

    Notrufarmband

    Reines Armband ohne Basisstation, funktioniert zu Hause und unterwegs; Notrufzentrale von Bosch rund um die Uhr, App für Angehörige mit Standort und Akkustand.

    • Preis: Armband einmalig 199,95 € (im Angebot 99,95 €); Abo 17,95 € nur mit App, 32,90 € mit Notrufzentrale, mit Pflegegrad laut Anbieter ab 0 €
    • Anschluss: keine Anschlussgebühr, das Armband wird gekauft und nicht von der Kasse erstattet
    • Geräte: Notrufarmband mit Notruftaste, automatische Sturzerkennung, GPS-Ortung, eSIM mit mehreren Netzen, europaweit
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Kündigung: monatlich kündbar, erster Monat kostenlos, 30 Tage Rückgabe
    • Für wen geeignet: Wer ein einziges Gerät für drinnen und draußen möchte und den Kaufpreis des Armbands selbst tragen kann.
  • Johanniter

    Hilfsorganisation

    Ab dem Komfortpaket Schlüsselhinterlegung und eigener Einsatzdienst rund um die Uhr, im Premiumpaket wöchentliche Anrufe.

    • Preis: Basis ab 27 €, Komfort ab 55 €, Premium ab 85 € im Monat, regional abweichend
    • Geräte: Basisstation, Notrufknopf als Armband oder Kette
    • Einsatzdienst mit Schlüsselhinterlegung buchbar
    • Anschluss: Installation und Einweisung vor Ort
    • Für wen geeignet: Wer niemanden in der Nähe hat, der im Notfall mit Schlüssel kommen kann.
  • Malteser

    Hilfsorganisation

    Ab Komplettsicherheit Bereitschaftsdienst mit Schlüsselhinterlegung, im Plus-Paket Bewegungserkennung; Angehörigen-App.

    • Preis: Grundsicherheit 27,00 €, Komplettsicherheit 60,40 €, Komplettsicherheit Plus 64,90 € im Monat
    • Anschluss: laut Anbieter derzeit keine Anschlussgebühr (Aktion bis Oktober 2026)
    • Geräte: Hausnotrufgerät mit Lautsprecher, Notrufknopf als Armband oder Kette, optional Bewegungsmelder und Rauchmelder
    • Funktioniert ohne Festnetz
    • Einsatzdienst mit Schlüsselhinterlegung buchbar
    • Kündigung: ein Monat zum Monatsende
    • Für wen geeignet: Wer einen Bereitschaftsdienst vor Ort und eine kurze Kündigungsfrist will.
  • Libify

    Versandanbieter

    Drei Gerätelinien vom einfachen Notrufknopf bis zum mobilen Notruf mit automatischer Sturzerkennung.

    • Preis: Preise je Modell auf Anfrage, libifyBasic mit Pflegegrad laut Anbieter kostenlos
    • Geräte: libifyBasic: Basisstation mit Funksender, libifyHome: Sturzerkennung, App, libifyMobil 2.0: mobiler Notruf mit GPS und Sturzsensor
    • Stellt den Antrag bei der Pflegekasse
    • Für wen geeignet: Wer viel unterwegs ist oder eine automatische Sturzerkennung möchte.

Diese Übersicht enthält Links zu Anbietern. Partnerlinks sind mit * gekennzeichnet und können oben stehen, die Reihenfolge ist keine Bewertung. Angaben laut Anbieterseiten, Stand 20.09.2026, ohne Gewähr.* Partnerlink: Schließt du über diesen Link etwas ab, erhalten wir vom Anbieter eine Vergütung. Für dich ändern sich weder Preis noch Leistung.

Das solltest du jetzt tun

  1. Frag deinen Anbieter nach der Alarmkette und ob die Zentrale mit der 116117 zusammenarbeitet; lass dir die Antwort schriftlich geben.
  2. Hinterlege Schlüssel und Kontaktpersonen und aktualisiere sie, wenn sich etwas ändert.
  3. Leg ein Notfallblatt mit Diagnosen, Medikamenten, Patientenverfügung und Kontakten an einen festen Ort.
  4. Wer noch keinen Hausnotruf hat und allein lebt: Mit Pflegegrad zahlt die Kasse den Basistarif, seit September 2026 reicht die Empfehlung der Pflegefachkraft, siehe Hausnotruf ohne Rezept.

Häufige Fragen