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Für Pflegekräfte

Basiskurs außerklinische Intensivpflege: Pflicht nach § 132l SGB V, Inhalte, 120 Stunden, Kosten von 750 bis 1.600 Euro, Anbieter

Wer als Pflegefachkraft beatmete oder trachealkanülierte Menschen außerhalb der Klinik versorgt, braucht nach den Rahmenempfehlungen zu § 132l SGB V (Fassung vom 13.04.2026, in Kraft seit 01.06.2026) eine Zusatzqualifikation: Atmungstherapie, Fachweiterbildung Intensiv, ein Jahr Beatmungserfahrung in den letzten fünf Jahren oder den Basiskurs von mindestens 120 Zeitstunden, davon 80 Stunden Theorie und 40 Stunden Praktikum. Neue Kräfte ohne Qualifikation müssen mit Arbeitsbeginn angemeldet werden und den Abschluss binnen sechs Monaten nachweisen. Der Kurs folgt dem Curriculum der Fachgesellschaften (ArGe aus DIGAB, DGF und KNAIB) und kostet 2026 zwischen 750 und 1.600 Euro, typisch 1.100 bis 1.400 Euro; meist zahlt der Arbeitgeber, sonst helfen Bildungsgutschein oder Qualifizierungschancengesetz. Dazu kommen jedes Jahr 16 Stunden Pflichtfortbildung.

Basiskurs außerklinische Intensivpflege: Kursplan auf einem Klemmbrett

Die außerklinische Intensivpflege ist der Bereich mit den strengsten Personalregeln in der ambulanten Pflege. Wer beatmete Menschen zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft versorgt, braucht mehr als das Examen. Seit Juni 2026 gelten die Rahmenempfehlungen zu § 132l SGB V in neuer Fassung, und sie legen genau fest, welche Zusatzqualifikation reicht, wie viele Stunden der Basiskurs haben muss und wie schnell neue Kräfte ihn nachholen müssen. Diese Seite erklärt die Regeln, vergleicht Anbieter und Preise und sagt, wer zahlt.

Wer die Zusatzqualifikation braucht

Die Rahmenempfehlungen unterscheiden zwei Gruppen. Für Patienten ohne Beatmung und ohne Trachealkanüle verlangt § 4 eine „dem Krankheitsbild entsprechende spezifische Einweisung und strukturierte Einarbeitung“. Für beatmete und trachealkanülierte Patienten verlangt § 5 Abs. 1 neben dem dreijährigen Examen (Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Altenpflege) eine dieser Voraussetzungen:

Weg Voraussetzung laut § 5 Abs. 1
1 Atmungstherapeutin oder Atmungstherapeut
2 Fachgesundheits- und Krankenpflege für Anästhesie und Intensivpflege
3 mindestens ein Jahr hauptberufliche Berufserfahrung im Beatmungsbereich (mindestens 19,25 Wochenstunden) innerhalb der letzten fünf Jahre
4 und 5 pädiatrische Fachweiterbildung oder ein Jahr pädiatrische Beatmungserfahrung
6 alternativ zur Berufserfahrung: „erfolgreicher Abschluss einer anerkannten und berufsbegleitenden Zusatzqualifikation über mindestens 120 Zeitstunden“ nach dem Curriculum der Fachgesellschaften

Der Basiskurs ist also der Weg für alle, die aus Klinik, Altenpflege oder ambulanter Pflege in die Intensivpflege wechseln und keine Beatmungserfahrung mitbringen. Für die verantwortliche Pflegefachkraft eines Intensivpflegedienstes gelten nach § 2 höhere Anforderungen: zwei Jahre Beatmungserfahrung plus eine Zusatzqualifikation von 200 Zeitstunden (Pflegeexperte), oder Atmungstherapie beziehungsweise Fachweiterbildung, dazu die Leitungsweiterbildung von 460 Stunden wie bei jeder Pflegedienstleitung.

Die Frist: sechs Monate nach Arbeitsbeginn

Neue Pflegefachkräfte ohne Qualifikation dürfen eingesetzt werden, aber unter Bedingungen (§ 5 Abs. 3). In der Mehrfachversorgung, also in Wohngemeinschaften, müssen sie „mit der Aufnahme der intensivpflegerischen Versorgung“ zum Kurs angemeldet sein und den Abschluss „innerhalb von sechs Monaten“ nachweisen; in jeder Schicht muss mindestens eine qualifizierte Fachkraft dabei sein, und es dürfen nicht mehrere nicht qualifizierte Kräfte zugleich arbeiten. In der Einzelversorgung zu Hause ist der Einsatz nur erlaubt, wenn der Dienst Träger der praktischen Ausbildung der Fachkraft war oder sie ihr drittes Ausbildungsjahr in der Intensivpflege verbracht hat; die Anmeldung muss dann binnen 14 Tagen erfolgen, der Abschluss ebenfalls in sechs Monaten.

Für Arbeitgeber heißt das: Der Kursplatz gehört in den Arbeitsvertrag. Für Bewerber: Wer den Kurs schon hat, ist sofort voll einsetzbar und entsprechend gefragt.

Was der Basiskurs enthält

§ 5 Abs. 2 schreibt Umfang und Themen vor:

  • Theorie, mindestens 80 Zeitstunden (106 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten), davon mindestens 50 Prozent in Präsenz. Pflegefachliche Inhalte: Atemmasken und Trachealkanülen, Tracheostoma- und Kanülenmanagement, Sekretmobilisierung und Absaugen, Inhalation, Lagerung, Atemgasklimatisierung, Ernährung über Sonde, Telemedizin und Telepflege, Dysphagie, Notfallmanagement, Expertenstandards. Medizinische Inhalte: Anatomie und Physiologie der Atmung, Beatmungsgrundlagen, Weaning und Dekanülierung, Sauerstofftherapie, Hygiene, Blutgasanalyse. Dazu Palliative Care und Ethik, Kommunikation, Qualitätsmanagement, Medizinprodukterecht, Patientenverfügung und Betreuungsrecht.
  • Praktikum, mindestens 40 Zeitstunden in einer klinischen oder außerklinischen Beatmungseinrichtung, mit Anleitung, Checkliste und Feedbackgespräch. Es muss unabhängig von der Berufserfahrung abgeleistet werden.
  • Leistungsnachweise: regelmäßige Teilnahme, Lernerfolgskontrolle (meist Klausur), Praktikumsnachweis. Danach das Zertifikat mit ausgewiesenen Stunden, das die Krankenkassen anfordern können.

Das Curriculum stammt von der Arbeitsgemeinschaft der Fachgesellschaften (ArGe), der laut Kursflyern die DIGAB, die DGF und das KNAIB angehören; ArGe-Zertifikate werden über die CERTI.CARE GmbH ausgestellt. Die Rahmenempfehlungen verlangen aber kein bestimmtes Siegel, sondern die Orientierung am Curriculum. Viele Anbieter zertifizieren selbst oder über andere Stellen und weisen die Umfänge aus; das genügt, solange Stunden und Inhalte stimmen.

Anbieter und Preise 2026

Angaben laut Anbieterseiten und Flyern, umsatzsteuerfrei, Stand in der letzten Spalte; vor der Anmeldung prüfen.

Anbieter Format Umfang Preis Zertifikat, Förderung Stand
fgn Akademie (Hamburg, Praxis in Essen) 40 h Live-Online, 40 h E-Learning, 40 h Praktikum 120 h, Einstieg laufend 750 € eigenes Zertifikat, AZAV 2026
Cordamed (Dresden, Cottbus) Online plus Präsenz 106 UE plus 40 h Hospitation 1.100 € inkl. Prüfung k. A. Kurs 2026
Thoraxklinik Heidelberg Präsenz, zwei Wochen 80 h plus 40 h Praktikum 1.100 € ArGe-Zertifikat Flyer 2025
BildungsKonzept Berlin Web- oder Präsenzseminar 80 h plus 40 h Praktikum 1.100 € plus 59,50 € Urkunde Bildungszeit Berlin 2026
EURAKA-EXKLUSIV (Delitzsch) Präsenz Vollzeit, 11 Tage 106 h plus 40 h Hospitation 1.150 € CERTI.CARE-Zertifikat (ArGe) 2026
Open Care Forum (Alpen) über 50 % Präsenz plus Lernplattform 80 h plus 40 h Praktikum 1.199 € „akkreditiert nach ArGe“ 2026
impuls-leben k. A. k. A. 1.250 € inkl. CERTI.CARE CERTI.CARE 2026
intensivcare.com Akademie k. A. k. A. 1.250 € k. A. Start 2027
CAGP k. A. 16.04. bis 19.06.2026 1.280 € inkl. Prüfung k. A. 2026
DIPA Akademie (acht Standorte, online) Hybrid: 40 h online, 40 h Präsenz, 40 h Hospitation 126 h 1.379 € inkl. Zertifikat MC-Klausur, AZAV, „bis zu 100 % Förderung“ 31.03.2026
Klinikum Lünen 10 Tage Präsenz, 2 Tage online 112 UE plus 40 h Praktikum 1.390 € Klausur, ArGe-Zertifikat, 20 Punkte RbP Flyer 2024
Switch Akademie (Denzlingen) 60 h Präsenz in drei Modulen, 20 h E-Learning 120 h 1.600 € Prüfung, Zertifikat nach ArGe 2026

Drei Beobachtungen. Erstens: Der Preis sagt wenig über das Zertifikat; ArGe-Zertifikate gibt es für 1.100 Euro (Heidelberg) und für 1.600 Euro (Switch). Zweitens: Hybridformate mit nur fünf Präsenztagen (DIPA, fgn) erfüllen die 50-Prozent-Präsenzregel über Live-Online-Einheiten; wer sicher gehen will, fragt den Anbieter, wie er die Präsenzquote zählt. Drittens: Das Praktikum organisieren die meisten Anbieter nicht; wer bereits in einem Intensivpflegedienst arbeitet, leistet es dort, alle anderen brauchen eine Klinik oder Beatmungs-WG, die sie aufnimmt.

Wohlfahrtsverbände (Malteser, Johanniter, DRK) und die großen Heimbeatmungsdienste boten bei unserer Recherche keinen öffentlich ausgeschriebenen ArGe-Basiskurs an; die TÜV Rheinland Akademie führt ein älteres DIGAB-Format ohne aktuelle Termine.

Die nächste Stufe: Pflegeexperte mit 200 Stunden

Für Leitungsaufgaben verlangt § 2 Abs. 6 der Rahmenempfehlungen bei Qualifikation über Berufserfahrung eine Zusatzqualifikation von mindestens 200 Zeitstunden: 140 Stunden Theorie (186 Unterrichtseinheiten), 60 Stunden Praktikum zu mindestens zwei Dritteln in Weaningzentrum, intensivmedizinischer Rehabilitation, Beatmungszentrum oder Intensivstation, Abschluss mit Facharbeit und Prüfung. Angebote 2026: maxQ. Bochum 2.100 Euro (180 UE plus 80 Stunden Praktikum, AZAV, Bildungsgutschein), Open Care Forum 2.199 Euro (200 Stunden, 13 Module), Klinikum Lünen 2.350 Euro (193 UE plus 60 Stunden, Facharbeit und Kolloquium, AZAV). Wer eine Fachbereichsleitung oder eine stellvertretende PDL in der Intensivpflege anstrebt, plant diesen Kurs gleich mit ein; er ersetzt den Basiskurs, weil er ihn einschließt.

Die Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege nach DKG-Empfehlung ist eine andere Liga: mindestens 720 Stunden Theorie und 1.800 Stunden Praxis über zwei Jahre, meist in Kliniken. Sie erfüllt alle Anforderungen der außerklinischen Intensivpflege, ist aber kein Weg für Quereinsteiger aus der ambulanten Pflege.

Wer zahlt: Arbeitgeber, Bildungsgutschein, Qualifizierungschancengesetz

  • Arbeitgeber. Da § 5 Abs. 3 den Leistungserbringer zur Anmeldung neuer Kräfte verpflichtet, ist die Kostenübernahme die Regel; das Klinikum Lünen verlangt bei der Anmeldung eine Bescheinigung zur Übernahme der Lehrgangsgebühren. Verhandle vor der Unterschrift, ob eine Rückzahlungsklausel bei Kündigung gilt; bei Kursen um 1.200 Euro sind Bindungsfristen über zwölf Monaten unüblich.
  • Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III). Die Agentur für Arbeit fördert Weiterbildungen Beschäftigter, wenn sie mehr als 120 Stunden umfassen und Träger und Maßnahme zugelassen sind; Lehrgangskosten ganz oder teilweise, dazu ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt, gestaffelt nach Betriebsgröße. Der Basiskurs liegt mit 120 Stunden genau an der Grenze, Anbieter mit 126 Stunden (DIPA) oder Kombination mit weiteren Modulen kommen darüber.
  • Bildungsgutschein. Für Arbeitsuchende oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte bei AZAV-zertifizierten Anbietern (fgn, DIPA, maxQ, Klinikum Lünen für den Pflegeexperten, Akademie HerzKreislauf Berlin).
  • Bildungsurlaub. In 14 Ländern fünf Tage im Jahr, Bayern ohne Anspruch, Sachsen ab 2027 drei Tage; BildungsKonzept Berlin ist als Bildungszeit anerkannt.

Gehalt und Stellenmarkt

Portaldaten von medi-karriere (Stand August 2026) nennen für Fachkräfte der außerklinischen Intensivpflege 4.505 Euro brutto im Monat im Mittel, Spanne 4.034 bis 5.030 Euro, mit Unterschieden von Mecklenburg-Vorpommern (3.873 Euro) bis Baden-Württemberg (4.717 Euro). Im TVöD-P liegen die Entgeltgruppen P 7 bis P 9 zwischen 3.510 und 4.662 Euro (Stufen 2 bis 6, gültig ab Mai 2026); private Intensivpflegedienste zahlen laut Stellenanzeigen 50.000 bis 60.000 Euro im Jahr, einzelne Anbieter deutlich weniger. Die Zusatzqualifikation verschiebt dabei weniger das Grundgehalt als die Einsetzbarkeit: Stellenanzeigen verlangen durchgehend das Examen, den Basiskurs meist nur „idealerweise“ oder „Bereitschaft dazu“, bieten dafür aber die Finanzierung an. Stepstone listete am 26. Oktober 2026 über 7.000 Treffer zur außerklinischen Intensivpflege, davon mehr als 350 jünger als eine Woche; die Volltextsuche zählt auch Leitungen und Ärzte mit, zeigt aber die Größenordnung.

Den Entgeltatlas der Bundesagentur, der für diesen Beruf keinen eigenen Eintrag führt, haben wir nicht als Quelle verwendet; die Portalwerte sind Schätzungen aus Anzeigen und Nutzerangaben.

Für Dienste: Übergangsregeln und Fortbildungspflicht

Dienste, die vor dem 1. Juni 2026 bereits außerklinische Intensivpflege erbracht haben und die neuen Personalanforderungen noch nicht erfüllen, bekommen in den Landesverträgen Übergangsfristen: höchstens ein Jahr für die Versorgung zu Hause und in Wohngemeinschaften, zwei Jahre für stationäre Einrichtungen (§ 21). Zweijährig ausgebildete Altenpflegekräfte, die am Tag vor dem Inkrafttreten als verantwortliche Pflegefachkraft anerkannt waren, genießen Bestandsschutz.

Für alle Mitarbeitenden der Intensivpflege gilt nach § 10 Abs. 12 eine Fortbildungspflicht von mindestens 16 Stunden je Kalenderjahr, intern oder extern, mit Themen von Überwachung über Tracheostoma und Beatmungsgeräte bis Hygiene; im Jahr des Kurserwerbs entfällt sie, einschlägige Fortbildungen aus der häuslichen Krankenpflege werden angerechnet. Wer einen Pflegedienst gründet und Intensivpflege anbieten will, braucht neben dem Versorgungsvertrag nach § 72 SGB XI einen eigenen Vertrag nach § 132l Abs. 5 SGB V mit den Krankenkassen und eine Fachbereichsleitung mit 200-Stunden-Qualifikation.

Das solltest du jetzt tun

  1. Prüfe, welchen Weg du schon erfüllst: Beatmungserfahrung von einem Jahr in den letzten fünf Jahren oder eine Fachweiterbildung ersparen den Kurs.
  2. Vergleiche zwei bis drei Anbieter nach Präsenzanteil, Praktikumsorganisation und Zertifikat, nicht nur nach Preis.
  3. Klär vor Vertragsunterschrift, wer zahlt, ob eine Rückzahlungsklausel gilt und ob die Kurszeit Arbeitszeit ist.
  4. Melde dich spätestens mit Arbeitsbeginn an; die Sechs-Monats-Frist läuft ab dem ersten Einsatz.
  5. Plane die 16 Stunden Jahresfortbildung ein und lass sie dir bescheinigen; die Kassen prüfen sie.

Häufige Fragen